Like/Unlike

Gestern stolperte ich beim Kraftfuttermischwerk über eine Mitteilung des Verbots von “Unlike U”, einer Dokumentation über Trainwriting in Berlin, durch das Landesgericht; Grund waren das unerlaubte Abfilmen von BVG & S-Bahn-Waggons, für die man wohl eine Genehmigung bräuchte. Gut, das ist Deutschland, was will man machen. Aber da ich vorher schon ein paar mal gehört hatte, dass “Unlike U” die beste Doku ever sein soll und, wie ebenso im Artikel vermerkt, der gesamte Film noch auf Yotube zu finden ist, dachte ich, ich hack das endlich mal ab. Ein paar Gedanken dazu.

Letztendlich bin ich darüber uneins, muss ich zugeben. Also beileibe, da haben auch einige der dort zitierten & vorgestellten Writer vollkommen recht, bringt den nicht in der Szene aktiven Menschen dieses Filmmaterial in der Tat wesentlich näher ans Züge besprühen und überhaupt hinter die Kulissen dessen, als man es im normalen Leben je erreichen würde. Das ist auch durchaus interessant zu sehen, wir die Herren (es sind übrigens durchgängig nur Männer, was sogar der zitierte Polizeichef der GIB bestätigt – gibt es in Berlin keine weiblichen Trainwriterinnen? Das kann ich kaum glauben…) sich auf die Aktionen vorbereiten, Schlösser knacken, durch Schächte kriechen und ähnliches.

Am spannendsten wirds eigentlich immer dann, wenn es Konfrontationen gibt, oder wenn die Aktionen besonders dreist sind, wie die von 1UP bei Tageslicht und auf einem Bahnhof – innerhalb von drei Minuten einen Waggon zu bemalen samt darin sitzenden Menschen ist schon nicht schlecht. Ebenso spannend sind die historischen Aufnahmen vom Writerr Corner an der Bahnhof Friedrichstraße wärend der DDR und die Erklärungen dazu. Als am beeindruckendsten bleibt mir im Nachhinein die Bemalung der “Bundeskanzlerin-Ubahnt” – das sind schon wirklich beeindruckende Bilder und vor allem großes kriminelles Potential, denn in der Tat, wo sich die paar Writer nur mit ein Dosen dort hineinschleusen, könnten andere genau das gleiche auch mit Sprengstoff oder Waffen oder was weiß ich.

Aber beste Doku ever? Mitnichten. Der Bildwert ist in der Tat schön, man erfährt viele und authentische Aufnahmen; jedoch meine Güte, genauso wie bei ach wie vielen Dokus zuvor geht das Gerede der Protagonisten für mich voll nach hinten los. Dieses romantisierte Gequatsche irgendwelcher hör- & sichtbar bekiffter Leute, die dann immer wieder das alte Thema Kunst vs. Vandalismus abspulen und das alte “Werbung ist für mich auch Vandalismus” und ähnliche Kalauer – gähn. Überhaupt find ich leider oftmals die gesellschaftliche Relevanz solcher Aktionen in Dokus über selbige eher flach dargestellt. Natürlich müssen die Leute ja auch kein Diplomanden sein, um malen zu gehen, überhaupt benötigt es auch immer Leute, die es einfach machen, ohne zuerst darüber zu sinnieren – trotzdem wären manchmal ein paar tiefergehende Gedanken als “das is’n Lifestyle, ‘stehst?” schön.

Insgesamt beschäftigt sich die Doku wie auch viele andere zuvor mit der oberen Schicht der Sprüher – diese, die es geschafft haben, die vor allem schon schicke Pieces am Stück fabrizieren. Was ist mit den Hundertschaften, die einfach nur hässliche, verschmierte Buchstaben irgendwo ranklatschen? Jeder kann seins machen, aber diese Ästhetisierung, dieses Ideal von “wir machen die Stadt bunter / schöner / lebendiger” stimmt ja im Grunde, stößt aber genau bei den abertausend hässlichen Pieces & Bombings an seine Grenzen. Aber jetzt lehn ich mich zu weit aus dem Fenster, denn soviel Ahnung hab ich davon natürlich auch nicht. Und von mir aus sollte sowieso noch viel mehr gemalt werden. Abschließend kann ich nur sagen, dass mir etliche Audiokommentare bei der Doku die wirklich stimmige Atmosphäre der Bilder etwas vermiest haben. Ansonsten aber durchaus interessant, wenn auch nicht bahn(höhö)brechend.

 

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